
Der Europäische Gerichtshof hat in einem wegweisenden Urteil klargestellt dass EU-Recht Spielern in Deutschland zivilrechtliche Ansprüche auf Rückerstattung von Einsätzen ermöglicht die sie vor der Legalisierung im Juli 2021 bei illegalen Online-Glücksspielen wie Automatenspielen oder bestimmten Wetten verloren haben und diese Möglichkeit besteht auch nachdem die deutschen Vorschriften durch den GlüStV 2021 gelockert wurden. Das Gericht bestätigte zugleich das Recht der Mitgliedstaaten Online-Glücksspiel zum Schutz der Verbraucher einzuschränken während es nationale Gerichte nicht daran hindert über Erstattungsklagen zu entscheiden. Die Entscheidung geht auf eine Vorlage eines maltesischen Gerichts zurück das einen Fall eines deutschen Klägers behandelte der Verluste aus den Jahren 2019 bis 2021 geltend machte.
Der Fall begann als ein deutscher Spieler vor einem maltesischen Gericht Klage auf Rückzahlung seiner Einsätze erhob weil die betreffenden Online-Angebote in Deutschland vor dem neuen Staatsvertrag als illegal galten und Experten beobachteten dass solche grenzüberschreitenden Streitigkeiten häufig zu komplexen Rechtsfragen führen. Das maltesische Gericht wandte sich daher an den EuGH um zu klären ob die EU-Dienstleistungsfreiheit oder Verbraucherschutzvorschriften nationale Erstattungsansprüche ausschließen könnten doch das höchste europäische Gericht stellte fest dass die mitgliedstaatlichen Regelungen zur Bekämpfung illegalen Glücksspiels mit EU-Recht vereinbar bleiben und gleichzeitig zivilrechtliche Rückforderungen zulässig sind. Die Pressemitteilung Nr. 53/26 des EuGH erläutert diese Abwägung ausführlich und zeigt wie die Richter die Balance zwischen Marktfreiheit und Schutzinteressen hergestellt haben.
Deutsche Zivilgerichte können nun über solche Klagen entscheiden ohne dass die zwischenzeitliche Legalisierung die Ansprüche aus der Vorperiode automatisch entfallen lässt und Beobachter merken an dass dies eine Reihe von Verfahren in Gang setzen könnte die sich auf Verluste zwischen 2019 und 2021 konzentrieren. Das Urteil unterstreicht dass die Einschränkungen des Online-Glücksspiels in Deutschland weiterhin als gerechtfertigt gelten weil sie dem Verbraucherschutz dienen während es den nationalen Instanzen überlassen bleibt die konkreten Voraussetzungen für eine Rückerstattung zu prüfen. In der Praxis bedeutet dies dass Verträge über illegale Angebote als unwirksam behandelt werden können und Spieler unter bestimmten Bedingungen ihre Einsätze zurückfordern dürfen ohne dass die EU-weite Dienstleistungsfreiheit dem entgegensteht.
Betreiber die vor dem GlüStV 2021 Online-Spiele ohne deutsche Lizenz angeboten haben sehen sich verstärkt mit zivilrechtlichen Forderungen konfrontiert und Branchenvertreter verfolgen die ersten Urteile deutscher Gerichte mit Aufmerksamkeit. Gleichzeitig bleibt das regulatorische Umfeld stabil weil der EuGH ausdrücklich bestätigte dass Mitgliedstaaten weiterhin strenge Vorgaben zum Schutz vor Spielsucht erlassen dürfen. Im Juni 2026 berichten deutsche Gerichte von einer steigenden Zahl eingereichter Klagen die auf das EuGH-Urteil Bezug nehmen und Anwälte stellen fest dass die Beweislage oft durch Kontoauszüge und Spielprotokolle gestützt wird. Diese Entwicklung zeigt wie ein einzelnes Vorabentscheidungsverfahren weitreichende Folgen für nationale Rechtsstreitigkeiten entfalten kann.

Spieler die Rückerstattung beantragen müssen in der Regel nachweisen dass die Spiele zum Zeitpunkt der Teilnahme in Deutschland verboten waren und dass sie die Einsätze tatsächlich verloren haben während Gerichte prüfen ob Verjährungsfristen oder Mitverschulden eine Rolle spielen. Das EuGH-Urteil gibt den nationalen Gerichten hierbei einen klaren Rahmen an die Hand ohne jedoch konkrete Beweislastregeln vorzuschreiben und deutsche Instanzen haben bereits in ersten Verfahren nach dem Urteil angekündigt dass sie Einzelfallprüfungen vornehmen werden. Werbetreibende und Plattformbetreiber passen ihre Compliance-Strategien an weil sie mit einer höheren Zahl von Forderungen rechnen und Rechtsexperten raten Betroffenen sich frühzeitig über mögliche Ansprüche zu informieren.
Das EuGH-Urteil in der Rechtssache C-440/23 schafft eine eindeutige Rechtsgrundlage für zivilrechtliche Rückforderungen bei vor 2021 illegalen Online-Glücksspielen in Deutschland und verbindet den Schutz nationaler Verbrauchervorschriften mit der Möglichkeit individueller Erstattungsansprüche. Deutsche Gerichte erhalten dadurch die Kompetenz solche Fälle zu entscheiden während die grundsätzliche Zulässigkeit von Beschränkungen des Online-Glücksspiels unangetastet bleibt. Die Entscheidung wirkt bis in das Jahr 2026 hinein und beeinflusst laufende sowie künftige Verfahren nachhaltig.